Hm, lecker!

Das waren immer die ganz besonderen Kindertage … wenn die Märchenoma zu Besuch kam und Kinderschinken mitbrachte …

2013-05-30 14.51.36

Vatertag

Besoffen auf dem Gehsteig lag
Ein Vater jüngst zum Vatertag
“Gestatten, dass ich Sie mal frag’
Und auch gleich die Prognose wag’
Kann’s sein, dass keiner wirklich mag
Die Väter so von Ihrem Schlag?”

Der Mann war wirklich arg betrunken
Und hat nach Bier und Schnaps gestunken
Die Füße in ‘ner Pfütze tunken
Statt Antwort kam ein müdes Unken
Er hat nur hilflos abgewunken
Und ist in tiefen Schlaf versunken

vatertag

Instagramm 12/13 – Eine Auslese

Tour Nordost

2013-04-25 19.49.01

Am Abend des 25. April diesen Jahres gab’s die erste große Tour mit meiner Twin: Eine schöne Ausfahrt in Richtung Nordost über Finow bis zur polnischen Grenze und durch das Oderbruch zurück.

In Strausberg war leider der Akku für das GPS-Gerät alle, nicht dass jemand denkt, ich wäre ab dort geflogen. Der Strom für die Cam war bereits in Wriezen am Ende, trotzdem kann man sich ein Großteil der Tour per Video im Zeitraffer reinziehen (von Ahrensfelde bis Wriezen in 33 min).

eingebunden mit Embedded Video

Prinz Albrecht

prinz-albrecht

Prinz Albrecht von Preußen heisst mein Apfelbaum

Am vergangenen Wochenende hatte ich Besuch aus Dresden. In der sächsischen Landeshauptstadt habe ich meine Kindheit und Jugend verbracht. Halt – damals war Dresden noch gar keine Hauptstadt des Freistaates sondern Bezirksstadt. Die Autokennzeichen begannen mit R oder Y, es gab noch keine gläserne VW-Manufaktur am Straußberger Platz und der Platz selbst hieß damals noch nach dem tschechischen Schriftsteller Julius Fučík. Unweit des Fučík-Platzes stand das Dynamo-Stadion und die dort beheimatete Mannschaft spielte in der höchsten Spielklasse des Landes.

Bevor ich im Alter von drei Jahren zum Dresdner wurde, lebte ich mit meinen Eltern in Kamenz. Das ist nicht weit weg von Dresden und ich habe Erinnerungen an das (in meinen damaligen Kinderaugen) prächtige Rathaus auf dem alten Marktplatz. Gerade erst zum letzten Osterfest war ich mit meinen Kindern dort und zeigte ihnen das rote Gebäude in dem einst Oma und Opa geheiratet haben.

Warum in aller Welt schreibe ich diese Dinge nun aber hier im „Biesdorfer“ nieder?

In Biesdorf lebe ich jetzt das dritte Jahr. Vorher lange Jahre Pankower, habe ich zusammen mit meiner Familie hier ein Haus gebaut und nenne einen bescheidenen Garten davor mein Eigen. In einen Garten gehört ein Obstbaum und ich durfte mir zu meinem letzten Geburtstag einen aussuchen. Die Wahl fiel auf einen Apfelbaum der Sorte „Prinz Albrecht von Preussen“ und das aus gutem Grund.

Wie Wikipedia zu berichten weiß, entdeckte Albrechts Hofgärtner den Sämling der Apfelsorte 1865 im schlesischen Kamenz. Das ist zwar nicht jenes sächsische Kamenz, in dem ich meine ersten drei Lebensjahre verbrachte, es wird aber zumindest gleich geschrieben. Außerdem steht dort ein prächtiges Schloss, welches die gleiche Farbe wie das Rathaus im Sächsischen hat. Na also!

Prinz Albrecht von Preussen war ein Generaloberst mit einer interessanten Geschichte. Er ließ sich von seiner ersten Frau scheiden und heiratete dann eine Nichtebenbürtige – zu der damaligen Zeit ein unerhörter Vorgang. Wikipedia weiß dazu: „Da seine unstandesgemäße zweite Ehefrau am Berliner Hof nicht erwünscht war, verließ Albrecht Preußen und ließ sich 1850 bis 1854 am Loschwitzhang bei Dresden das prachtvolle Schloss Albrechtsberg (…) erbauen.“

Und eben jenes Schloss Albrechtsberg kannte ich in meiner Kindheit als den Pionierpalast von Dresden. Auf dem Teich im Schlosspark lief ich im Winter Schlittschuh, im Sommer ging man ins „Römerbad“ auf der Südseite des Schlosses zum Baden. Von dort hatte man einen sehr schönen Ausblick auf die Stadt Dresden – später im Jugendalter wirkte dieser Ausblick in seiner gesamten Romatik auch ausgesprochen gut auf die jeweils aktuellen Herzensdamen. Im Schlosspark kannte ich jeden Winkel und jeden Stein. Eine Narbe an meinem linken Unterarm erinnert mich noch heute an einen heftigen Fahrradsturz auf der abschüssigen Schotterpiste die hinunter zum Bad führte.

Mein Besuch vom letzten Wochenende kennt den „Pio“ – wie wir ihn nannten – genauso gut. Hätte uns damals jemand erzählt, dass es mich mal nach Berlin verschlagen und ich mein Herz an den 1. FC Union Berlin verlieren würde – dass er mich mit seinem Sohn hier in Berlin besuchen würde um ein Spiel der längst nicht mehr erstklassigen Dynamos zu sehen, während ich für den Köpenicker Verein brenne und mittlerweile auch beruflich tätig bin … wir hätten es damals bestimmt nicht für möglich gehalten.

Mittlerweile antworte ich schon lange auf die Frage nach meiner Herkunft mit „Berlin“. Hier ist seit 14 Jahren meine Heimatstadt. Und hier in meinem Garten steht jetzt ein Apfelbaum, der an einen Preußen erinnert, der nach Sachsen ging. 160 Jahre später nahm ich den umgekehrten Weg.

Rezept zum Selbermachen: Thüringer Touristenspeckwurst (Zutaten für 1 kg)

850 g Touristenspeck
2 große Zwiebeln
1 EL Born-Senf
Salz
Pfeffer

Ob die Touristenspeckwurst gelingt, steht und fällt mit der Auswahl des Touristenspecks. Man sollte deshalb die Wurst keinesfalls im Mai zubereiten, da dann ein Großteil der Thüringen-Touristen wegen des bekannten Rennsteiglaufs im Freistaat weilt und der Speckanteil bei ihnen entsprechend niedrig ist. In allen anderen Monaten kann man jedoch bedenkenlos zugreifen, oft reicht ein einziger Tourist für mehrere Würste.

Den Touristenspeck in kleine Würfel schneiden und in der Pfanne anschwitzen. Währenddessen die Zwiebeln grob hacken und anschließend unterrühren. Mit Salz, Pfeffer und dem Senf abschmecken und dann mittels Fleischwolf zu Brät drehen. In Kunst- oder Naturdarm abfüllen und ordentlich durch brühen. Fertig!

Tipp: Feinschmecker können je nach Geschmack noch 50 bis 80 g Rotstern-Bitter-Schokolade in das Brät rühren, das ergibt eine interessante Geschmacksnote.

Serviert wird die Thüringer Touristenspeckwurst idealerweise mit Thüringer Klößen. Guten Appetit!

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Fotografiert am Wurstverkaufsstand von Wolf im Biesdorf-Center.

Wünsche

xmas

Foto: Jorma Bork / pixelio.de

„Falls wir uns nicht mehr sehen …“  So fingen die Sätze meiner Mitmenschen in den letzen Tagen häufiger an. Es folgte in der Regel eine mehr oder weniger geheuchelte Wunschoffensive, welche das Weihnachtsfest und – falls wir uns nicht mehr sehen – natürlich auch den Jahreswechsel betraf. Auf Arbeit füllte sich meine Postablage zusehends, die Kollegen in den Büros konnte man beim widerwilligen Verfassen handschriftlicher(!) Kartengrüße beobachten, die Dichte der unverlangt eingesandten Jahreskalender für 2013 wuchs. Welch ein Wahnsinn!

Der geneigte Leser möge mich bitte nicht falsch verstehen, ich bin keineswegs ein Weihnachtsmuffel. Im Gegenteil, das Fest der Liebe hat für mich aus Familientradition einen hohen Stellenwert. Zwar säkularisiert, aber trotzdem mit Liturgie aufgeladen und unantastbar. Das kann mir keiner nehmen. Und genau so assoziiert man das Synonym „Fest der Liebe“ ja auch:  Zu Weihnachten geht es weniger um Kollegen und Geschäftspartner. Weihnachten ist ein Familienfest.

Warum aber schreiben Manager anderen Managern handschriftliche Weihnachtsgrüße? Oder genauer gefragt: Warum tun sie das in einer nach meiner Wahrnehmung mittlerweile extremen Anzahl? Ist es tatsächlich so, dass in Zeiten, da im „Business“ die „social competence“ und „emotional intelligence“ als „soft skills“ immer wichtiger zu werden scheinen, eine Art Pseudoprivatisierung der Geschäftsbeziehungen vonstatten geht? Und am Jahresende gipfelt dies in einem Wettbewerb um den emotionalsten, witzigsten oder empathischsten Weihnachtsgruß? Mit den Wettbewerbs-Unterkategorien „Bloß keinen vergessen“ und „Diesmal sind wir die Ersten“? Ich glaube ja.

Es schad‘ ja nix, ruft vielleicht der eine oder andere. Ich rufe: Doch. Abgesehen von den Millionen Tonnen sinnlos bedruckten Papiers und der vergeudeten Arbeitszeit wird das Weihnachtsfest durch die Inflation der Grüße für mich irgendwie entwertet. Dabei hätte die Tradition der Weihnachtskarte durchaus in der Geschäftswelt das Zeug zum Indikator für die Qualität der Geschäftsbeziehung. Wenn man nur noch jenen Kunden, Lieferanten und Partnern schriebe, mit denen die Arbeit übers Jahr wirklich „vertrauensvoll und erfolgreich“ war, dann würden sich zumindest die anderen irgendwann wundern, warum ihre Postfächer so leer sind. Oder es entwickelt sich vielleicht eine Art Code für Textbausteine in Weihnachtskarten, ähnlich den Codes wie sie in Beurteilungen Verwendung finden.  Dann kann man durch die Auswahl der Formulierungen dem Weihnachtsgruß einen „Value“ zuweisen. Etwa so:

Die gesamte Redaktion / die Geschäftsführung / das Sekretariat* von „Der Biesdorfer“ wünscht Ihnen und Ihrer Familie / Ihnen / Ihrer Firma* ein gesegnetes  / besinnliches / schönes* Weihnachtsfest und einen fantastischen / pünktlichen / unfallfreien* Jahreswechsel. Möge das kommende Jahr genau so vertrauensvoll  / erfolgreich / frei von größeren Pannen* beginnen wie das aktuelle bisher verlief.

Herzlichst / Hochachtungsvoll / Mit freundlichen Grüßen*

(*nichtzutreffendes bitte streichen)

Konzeptpapiere – Eine Parabel

Gestern bat mich mein Sohn (11), ihm noch einmal ausführlich zu erklären, was es denn nun mit dem Sicherheitskonzept der DFL, der Ablehnung des 16 –Punkteplans durch den 1. FC Union und mit den Fanprotesten auf sich habe. So irgendwie hätte er sich schon eine Meinung gebildet, ist sich aber nicht sicher, ob er alles verstanden hätte. Ich entwickelte aus dem Stegreif eine Parabel, welche ich der werten Leserschaft nicht vorenthalten möchte:

Stell dir vor, mein Sohn, die Nachbarschaft hätte letztens mitgehört wie wir uns über deine Vier in Mathematik unterhalten haben. Wirklich ungewöhnlich ist sie gewesen für dich, bringst du doch sonst eigentlich Einsen nach Hause. Gerade deshalb gab es überhaupt nur eine Diskussion über die Note, sonst wird von uns ja immer nur unterschrieben und fertig. Nun wurden die Nachbarn aber Zeuge eines Disputs und machten sich so ihre Gedanken. Eigentlich hat die Nachbarschaft überhaupt keine Ahnung von deinen mathematischen Fähigkeiten, sie weiß nicht einmal wo deine Schule ist und in welche Klasse du gehst, aber von Gespräch zu Gespräch über die Gartenzäune der Siedlung wurde aus einer „Ausrutscher-Vier“ ein ausgewachsenes Leistungsproblem bei dir! Soweit die Wahrnehmung der ÖFFENTLICHKEIT.

Deine Großeltern kommen zu Besuch und lassen sich erzählen, wie alles so läuft. Eigentlich prima, keine Probleme, sagst du. Aber die Nachbarn klären Oma und Opa kurz vor der Abreise auf: Von wegen, alles in Butter! Schlecht ist er in der Schule! Richtig mies. Vieren bringt er an! So kann es nicht weitergehen.
Oma und Opa fühlen sich bemüßigt, mal beim Schulleiter anzurufen. Sie fordern von ihm ein Konzept zur Verbesserung deiner Leistungen. Wenn der Schulleiter nicht reagiere, dann reagieren sie, so ihre Drohung. Deine Großeltern sind in diesem Falle die POLITIKER.

Dein Schulleiter hat eine Idee, wie er die nervigen Großeltern beruhigen kann. Er ist ja schließlich der Chef der Schule und denkt sich etwas aus. Wie wäre es, wenn du und die anderen Schüler auch am Wochenende zum Unterricht kämen? Das wäre deinen Leistungen doch in jedem Falle zuträglich! Diese Idee erzählt er deinen Großeltern auch gleich am Telefon. Blöderweise tut er das jedoch ohne vorher mit den Lehrern oder gar Schülern gesprochen zu haben. Dein Schulleiter ist die DFL.

In der Schule ist jetzt natürlich mächtiger Wirbel. Lehrer und Schüler werden plötzlich mit dem neuen „Leistungskonzept“ konfrontiert und diskutieren hin und her. Es wird dem Schulleiter natürlich übelgenommen, so eine Idee ohne Rücksprache entwickelt zu haben. Es bilden sich Diskussionszirkel. Verbesserungsvorschläge werden gemacht. Hin und wieder rufen auch andere Großeltern an – sogar welche, deren Enkelkinder gar nicht auf deine Schule gehen! Die Lehrer weisen darauf hin, was sie schon alles für die Leistungsverbesserung tun, die Schüler drohen mit Streik. Am Ende ist klar: Unterricht am Wochenende ist mit den Klassen nicht machbar! Die Klassen sind die VEREINE.

Der Schulleiter hat mit so viel Gegenwind nicht gerechnet. Er ändert sein Konzept: Alle Klassen sollen sich jetzt verpflichten, von Montag bis Freitag Unterricht durchzuführen. Der umstrittene Wochenendunterricht ist vom Tisch. Die Klassenverbände sollen in einer Abstimmung über das Konzept entscheiden. Es geht um die Zukunft des Systems Schule.

Bei der Abstimmung wird das neue Konzept mit großer Mehrheit angenommen. Es ändert sich für die Klassen ja nichts. Nur zwei Klassen stimmen genau aus diesem Grund dagegen. Ein solcher Affentanz wegen eines Großeltern-Anrufs ist für sie nicht nachvollziehbar. Die Lehrer der beiden Klassen zeigen dem Schulleiter symbolisch einen Vogel, unterrichten aber natürlich trotzdem von Montag bis Freitag. Wie bisher auch.

Der Schulleiter hat noch einmal die Klassenbücher durchgesehen. In Mathe stehst du auf 1,3. Er sollte jetzt vielleicht mal deine Großeltern anrufen und ihnen das sagen. Und richtig perfekt wäre es, wenn Oma und Opa bei ihrem nächsten Besuch dein Zeugnis in der Nachbarschaft herumzeigten.

Fußball, Gewalt, Angstbürger und Verwirrung

Heute gibt es mal einen Gastbeitrag von meinem Vater hier im Blog. Viel Spaß! (ht)

Fußball, Gewalt, Angstbürger und Verwirrung

Stefan Teubner

Auf Veranlassung der Länder-Innenminister wurde eine Initiative gestartet, die Ausschreitungen in Deutschen Fußballstadien wirksamer bekämpfen soll.

Dazu erarbeiteten die Fußball Liga (DFL) und der Deutsche Fußball Bund (DFB) das Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“, welches von vielen Vereinen als unsinnig deklariert und abgelehnt wurde, aber dennoch gestern in Frankfurt a.M. mit nur wenig – mehr symbolischer – Gegenwehr beschlossen wurde.

Dem vorausgegangen waren in den letzten Monaten heftige, sehr medienwirksame Kontroversen.

Einprägsame Bilder von Randalen, Prügeleien, Spielfelderstürmungen, von brennenden Bengalischen Feuern, gewaltigem Qualm in den Stadien, von Polizeilichen Maßnahmen mit durchaus körperlicher Einwirkung, sowie Hunden und sogar Pferden, gegen recht flinke Kapuzenträger usw. usw. usw. All das flimmerte fast unentwegt über die deutschen Mattscheiben oder war fast täglich in den Zeitungen zu sehen.

Die Wogen der gegenseitigen Beschuldigungen schlugen so hoch, dass u.a. ein lungenkranker sächsischer Angstbürger, der auch schon ohne Bengalo-Qualm kaum Luft bekommt, von seinem AOK-Sitzring brutal hoch gespült wurde und kräftig einstimmte in das Geschrei, soweit es ihm die Luft erlaubte.

Die Angstbürger riefen aufgeregt, das Maß sei jetzt voll, angesichts dieser ständigen furchtbaren Horrorszenen und Exzesse im TV, wir leben doch in einem Staat, der für die Sicherheit und Unversehrtheit seiner Bürger sorgen muss, dafür zahlen wir schließlich Steuern, bekommen Hartz IV und schicken Soldaten nach Afghanistan! Außerdem verschlingen die wöchentlichen Polizeieinsätze dreistellige Millionensummen, die auch von der Mehrzahl derer mit getragen werden müssen, der dieser ganze Fußballrummel völlig am … sie wissen schon … vorbeigeht.

Die von der anderen, der unerschrockenen Seite, riefen nicht minder laut und erregt, hier soll die ganze Fußballkultur auf dem Altar des furchtsamen Bürgers geschlachtet werden, die Stehplätze abgeschafft, oder wenigstens Kniebretter erhalten, wie aus der Kirche bekannt, wo sich doch das Unterdorf seit jeher mit dem Oberdorf prügelt, steht ein Fußballspiel zwischen beiden an, das ist ja eben traditionell die Kultur der Sportart!

Fans in Gruppen werden dabei wie e i n e Person behandelt, also gemeinsam schikaniert und verprügelt. Und nun muss man sich auch noch nackt ausziehen, will man in die Arena und ein pyrotechnisch ausgebildeter Dobermann schnüffelt dir mit seinem heißem Atem deine, in der Kälte kümmerlichen, Geschlechtsorgane ab, alles nur wegen ganz, ganz weniger, einzelner Unbelehrbarer und überhaupt:

Die wollen ja alle eigentlich nur spielen!

Soweit die Faktenlage.

Sie können sich vielleicht nicht vorstellen, lieber Leser, was passiert, wenn jeweils ein Vertreter der beiden Parteien, in e i n e r Familie aufeinandertreffen! Noch dazu, wenn es sich um Vater und Sohn handelt, wo der Generationen-Konflikt an sich schon brodelt, denn nicht umsonst ist ja der Ausgang des Hildebrand-Epos bis heute umstritten! Erschwerend wirkt hier noch, dass Hildebrand ein schlimmes Mundwerk hat und Sohn Hadubrand in den Diensten eines Fußballclubs steht, der mit einem martialischen Schlachtruf durch die Lande zieht!

Da war ganz schön was los, das kann ich Ihnen sagen und weithin tönte das Krachen der aufeinander schlagenden Schwerter, Schilde und Lanzen.

Hadubrand’s Mutter flehte eins ums andere Mal zu ihrem Gatten Hildebrand und zu ihrem Gott Odin (neudeutsch Wotan) in Asgard , er möge die beiden Einherjer zu Vernunft kommen lassen – und der Alte sollte doch endlich seinen bösen Mund halten – vergebens, sie schlugen weiter derart aufeinander ein, dass es bei Skype, dem Gott aller Himmelreiche, zu hören war… !

Bis, ja bis Hildebrand gestern plötzlich merkte, dass er von dem ganzen Kram überhaupt keine Vorstellung mehr hat, (was ihm Hadubrand schon immer gesagt hatte!) zumal er den sicheren Ort Fußballstadion seit langem nicht mehr aufsucht und das auch früher nur ausnahmsweise getan hat!

Da hatte er aber schon alle Theorien zur sozialen Bekehrung der Hooligans fix und fertig entwickelt und auch herum posaunt!

Von den drakonischen Maßnahmen, wie beispielsweise schweren Tätigkeiten im Steinbruch zum schnelleren Abbau des Testosterons bis zu den soften Varianten, wie bessere Schulbildung und ähnliches mehr, eventuell sogar einfacher Arbeit. Lediglich von der Sibirischen Variante mit Rückmarsch zu Fuß, distanzierte er sich bald schon. Schließlich kam Wladimir Iljitsch Uljanow nach drei Jahren Schuschenskoje wesentlich gewaltbereiter zurück, was wir im Osten noch heute ausbaden.

Nun haben gestern aber 36 Profivereine das verteufelte „Konzept“ angenommen. Nur St. Pauli und Union stimmten mit nein. Wie es nun weiter geht, weiß keiner so recht!

Für mich steht aber fest, dass ich mich nicht mehr aufregen werde, dass ich mich von der Woge (s.o.) auf meinen AOK-Sitzring zurückfallen lasse und meinem Sohn Hadubrand auch nicht mehr widerspreche!

Im Gegenteil, ich werde ihn im Kampf für mehr Gerechtigkeit, gleich, wo und wie geartet sein mag, unterstützen und das ist nicht nur so dahingesagt. Ich selbst werde mich wieder anderen gesellschaftlichen Schwerpunkten und Themenkreisen zuwenden, wie z.B. dem großen tabuisierten Gebiet „Gewalt und Sex in der Ehe“ (u.a. mit den Untertiteln „Hart, aber fair!“ „Wetten, dass?“ „Verstehen Sie Spaß?“) sowie dem täglichen Wetterbericht.

PS: Eine richtige Erkenntnis ich aber doch dazu gewonnen, wenn man mich auch fortan für naiv halten wird: Die Bengalos sind eigentlich Signalfackeln für Notfälle, wie sie auf Schiffen, größeren Booten oder in Alpinen u. Arktischen Bereichen zur Pflichtausstattung gehören! Deshalb auch der Qualm! Ich dachte bisher, es handelt sich um billigen Feuerwerks-Tand aus der Tschechischen Republik …

Reinheitsgebot

Vor einer Woche hielt ich einen Vortrag. Es waren schätzungsweise acht Zuhörer anwesend und ich referierte über das Reinheitsgebot der deutschen Sprache – also eigentlich über meine ganz subjektiven Vorstellungen davon. Der Vortrag fand im Rahmen einer Pressekonferenz statt, die aber eigentlich ein anderes Thema hatte. Auch war meine Rede eher spontan und die Pressekonferenz war in Wahrheit schon vorbei.

Dort wo ich arbeite gibt es häufiger Pressekonferenzen. Und es ist üblich, dass auf diesen Pressekonferenzen etwas zu Essen gereicht wird, damit die geschätzten Kollegen Journalisten nicht verhungern mögen, in ihrer Anwesenheit von ganzen 23 Minuten. Die Versorgung mit den entsprechenden Nahrungsmitteln übernimmt bei uns die Bäckerei Scholz, ein Traditionsunternehmen aus Berlin-Johannisthal. Herr Scholz liefert Brötchen mit allerlei Käse und Wurst und Herr Scholz liefert auch Kuchen. Und jetzt in der Adventszeit liefert Herr Scholz auch Stollen.

Am Ende einer Pressekonferenz, wenn die Journaille satt ist, widmen wir Mitarbeiter der Presseabteilung uns traditionell jenen Leckereien, die vom Scholz-Buffet noch übrig sind. Und während wir nun vor Wochenfrist fröhlich kauten, erkundigte sich ein Kollege bei mir, ob ich denn schon „die Stolle“ probiert hätte. In diesem Augenblick fing ich mit meinem Referat an.

Eigentlich kann der Kollege froh sein, dass ich nicht im gleichen Moment röchelnd zusammengebrochen bin und mich in zuckend auf dem Boden krümmte. „Die Stolle!“ Das tut mir körperlich weh! Das ist Vergewaltigung der deutschen Sprache! Das ist Frevel! Unverschämtheit! Davon handelte mein Vortrag. Und davon, wie ich als in Dresden (Hauptstadt des Christstollens) aufgewachsener Mensch nunmehr seit dreizehn Jahren in Berlin unter „der Stolle“ leide! Dreizehn Jahre! Das heißt zehn Mal innerstädtische Weihnachtsmärkte mit dutzenden Schildern: „1 Stück Stolle und ein Kaffee für EUR 2,50“ und davor schon drei Mal „1 Stück Stolle und ein Kaffee für DM 2,50“. Das hält kein Sachse aus!

Mein Vortrag war derartig emotional, dass sich in diesem Moment keiner der Anwesenden zu widersprechen traute. Mein Plädoyer zeigte Wirkung. Aber ich wusste um die Flüchtigkeit meines Appells. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen, sinnlos und ermüdend. Man gewinnt vielleicht die eine oder andere Schlacht, man hat aber auf Dauer keine Chance, den Krieg zu gewinnen.

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Gestern war wieder Pressekonferenz. Es gab wieder Brötchen und Stollen. Und es gab außerdem einen Lichtblick! Es gab ein Zeichen! Es gab den Flyer „Stollenzeit – Genusszeit“ von Herrn Scholz. Darauf wird für „Schoko-Datteln-Pistazienstollen“, „Butter-Rosinen-Stollen“  und „Mohnstollen“ geworben. Für StollEN also! Maskulin und mit N! Von einem Berliner Backbetrieb! Dass ich das noch erleben darf. Ich war ergriffen.
Der Flyer zeigt aber auch gleichsam, wie zerrissen die Metropole Berlin ist. Wie sie unter der sprachlichen Teilung leidet. Denn Herr Scholz hat mit dem Schoko-Datteln-Pistazienstollen doch tatsächlich den Wettbewerb „Berlins beste Stolle 2012“ gewonnen. Erstaunlich, dass er da mit einem StollEN überhaupt teilnehmen durfte. Egal! Herr Scholz ist ein Kämpfer für das Reinheitsgebot der deutschen Adventsgebäck-Sprache! Ein Pfahl im Fleisch der Ignoranten, ein Botschafter mit Bäckermütze, ein Held. Ich möchte Herrn Scholz auf diesem Wege dafür herzlich danken und ihm zurufen: „Es ist noch ein weiter Weg. Aber Sie sind nicht allein! Lassen Sie uns gemeinsam kämpfen für eine bessere Welt! Die Würde des Stollens ist unantastbar.“

Der Stollen – maskulin und mit N! Danke, Bäcker Scholz.